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Dorfchronik: Bücherei in Oberraden

Bei der Auftaktveranstaltung zur Dorfmoderation in der Gemeinde Oberraden am 20. August 2025 wurde die Einrichtung einer Buchausleihe angesprochen.

Ein Blick in die Historie zeigt, dass Oberraden bereits vor weit über einhundert Jahren mit einer Schulbibliothek bzw. Schulbücherei ausgestattet war. Eine solche Einrichtung diente den Schulkindern zur Förderung der Freude am Lesen und Lernen.
Unter dem Lehrer Ewald Boesser, der von 1902 bis 1907 in Oberraden unterrichtete, wurde im Dezember 1903 in der Oberradener (alten) Schule eine Volks- und Jugendbücherei eingerichtet.

Offenbar handelte es sich hierbei um eine Bücherei, die nicht nur für die Schuljugend (Jugendbücherei) sondern auch für gesamte Dorfbevölkerung zugänglich war (Volksbücherei).

Lehrer Boesser berichtete hierzu in der Oberradener Schulchronik:
Gern verzeichne ich, daß es gelungen ist auch ohne die (mehrfach verweigerte) Mithilfe der Gemeinde – einige Bücher wurden höheren Orts überwiesen – die hiesige im Dezember 1903 gegründete Volks- und Jugendbücherei bis jetzt (Juli 1906) auf 65 Bände zu bringen, die, obige Ausnahme abgerechnet, Eigentum der Bibliothek, d. h. in diesem Fall ideelles Eigentum der Lehrer sind.
Hervorragenden Anteil an dieser Gründung nehmen die Berliner Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung und die Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg- Großborstel (näheres im Bücherverzeichnis). Im März 1907 enthielt die Bücherei 75 Bände.
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In seinem Bericht wies er explizit darauf hin, dass eine finanzielle Unterstützung von Seiten der Ortsgemeinde unterblieb.
Auch seine beiden Nachfolger machten die gleiche Erfahrung.

So verlautete 1908 im Protokollbuch des Oberradener Gemeinderats:
Antrag Lehrer Nink auf Gewährung eines Kredits in Höhe von 20 Mark zur Erweiterung der Schulbibliothek abgelehnt.

Lehrer Christian Büch, der von 1908 bis 1927 hier unterrichtete, unternahm 1911 einen erneuten Versuch, um eine Unterstützung für die Schulbibliothek von Seiten der Ortsgemeinde zu erhalten.

Auch er scheiterte. Unter dem 2. Mai 1911 wurde im Protokollbuch notiert:
Thema: Förderung der Schulbibliothek. Die Einstellung eines laufenden jährlichen Beitrags in den Etat zur Erhaltung der Schulbibliothek wird abgelehnt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs keimte das Thema „Schulbücherei“ erneut auf. Unter Lehrer Wilhelm Scharwächter, der von 1947 bis 1951 in Oberraden unterrichtete, wurde wieder eine Schülerbibliothek eingerichtet.

Hierzu notierte der Lehrer in der Schulchronik:
Die Weihnachtsfeier fand am Donnerstag, dem 18.12.1947 statt. Sie war ein voller Erfolg und brachte Schule und Elternhaus einander näher.
Das Klassenzimmer hatte in der Hauptprobe am Nachmittag und in der Festvorstellung zusammen 197 Gäste aufzuweisen, die sich lobend über die Veranstaltung aussprachen. Die Einnahme, die als Grundstock für eine neue Schülerbibliothek Verwendung finden soll, betrug 172,05 RM [Reichsmark].
Sie bestand aus freiwilligen Gaben.
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Auch Lehrer Helmut Kanngießer – er unterrichtete von 1951 bis 1957 in Oberraden – förderte das Lesen der Schulkinder. Die Rhein-Zeitung berichtete 1954:
Oberraden. Als Anerkennung für den Amtssieg bei den Bundesjugendspielen war der Schule vom Amte eine hochherzige Spende zur Verfügung gestellt worden, für die nun über 20 neue Bände angeschafft werden konnten.
Damit umfaßt nun die Bücherei rund 100 Bände, das sind rund drei Bücher auf jeden Schüler. Die Bibliothek, die 1951 durch Lehrer Kanngießer mit 30 Bänden neu gegründet wurde, hat damit in drei Jahren einen Umfang erhalten, der um 50 Prozent höher liegt, als die Mindestforderung der amtlichen Stellen lautet.
Welche Bedeutung eine Schülerbibliothek gerade für eine kleinere Landgemeinde hat, zeigt die Tatsache, daß in knapp drei Jahren 842 Ausleihungen stattgefunden haben.
Von den Kindern wurde die jetzige Erweiterung der Bücherei besonders begrüßt, da sie, sehnlichst auf neuen Lesestoff warteten. Das beweist, daß eine ausreichende Schülerbibliothek die beste Waffe im Kampf gegen Schund-und Schmutzliteratur ist.

Dass sich mittlerweile auch die Einstellung der Gemeinderäte zum Bildungswesen gegenüber der wirtschaftlich schwierigen Epoche vor dem Ersten Weltkrieg geändert hatte, zeigt eine Festlegung der Niederradener Gemeindevertreter.

Sie fassten am 13. März 1959 nachstehenden Beschluss:
In Oberraden wurde eine Schulbücherei eingerichtet: Oberraden stellt 200 DM, Niederraden 70 DM zur Verfügung.
Text der Rhein-Zeitung aus dem Jahr 1954
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Im Zuge der Schulreform Anfang der 1970er Jahre schloss die Volksschule Oberraden 1973 ihre Pforte.
Dies bedeutete auch das Ende der Schulbibliothek.

Quellen:

  • Protokollbuch des Gemeinderates zu Oberraden vom 5. Februar 1900 bis 17. November 1951.
  • Niederschriften der Gemeinde Niederraden vom 9. Dezember 1949 bis 24. März 1969.
Weihnachtsfeier an der Grundschule Oberraden um 1960
Das Bild zeigt Lehrer Arno Fickert mit Schülern bei der Weihnachtsfeier um 1960 und rechts den Schrank für die Schulbücherei
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